…seit meinem letzten Eintrag und viel ist seitdem passiert. Ich muss nur selbst erstmal meinen Verstand sortieren um alles noch auf die Reihe und richtige Reihenfolge zu bekommen.
Um selbst ein wenig Revue passieren zu lassen, hier ein paar Eigenheiten unserer temporären Landsleute und ihrer Heimat die mir bis jetzt aufgefallen sind:
- In Spanien gibt es Müllsortierung. Nach Glas, Pappe, Rest. Joa.
- Die Sortierung und Abholung erfolgt 24/7, vorzugsweise um 2:30 Uhr vor meinem Fenster.
- Spanische Taxifahrer zocken in ihrer Freizeit gerne Collin McRae Ralley, können Spiel und Wirklichkeit jedoch meist nicht unterscheiden.
- Erweiterung von Murphys Law: Gas wird immer dann leer, wenn man gerade duscht.
- Spanische Professoren sind in ihrer Freizeit entweder Speedrapper oder Auktionatoren auf Thunfischmärkten und Treckerverkäufen.
- Es gibt blassere Menschen in Spanien als mich. Hören vorzugsweise Gothic und sind sehr sehr nett. (Gucken trotzdem komisch wenn man mal wieder Tequila Suicide macht)
- Bürgersteige werden in der trockensten Region Spaniens grundsätzlich mit dem Wasserschlauch saubergemacht. Straßen mit Chlor oder Flusssäure.
- In Granada gibt es kein Unkraut zwischen den Fugen.
- Es gibt tatsächlich Bionade hier. Leider kein Club Mate (nachträgliche Geburtstagssendungen sind gerne willkommen liebe Berliner! )
So, die jetzige Abfolge ist aus dem Gedächtnis und daher arnetypisch lückenhaft.
Ein Tag am Strand, noch einmal:
Ende September, oder irgendwann in den letzten 8 Wochen sind wir mit Erasmusleutz am Strand gewesen. Wir dachten eigentlich es wird nen Kulturausflug mit ein wenig Meer. Dafür wurde es viel Meer mit ein wenig Gekletter und Nudisten erschrecken. Der Ort nennt sich Cabo de Gata den wir Samstags gegen halb 1 nach 2 ½ stündiger Fahrt erreichten. Das Meer bzw der Strand war bis jetzt das schönste und sauberste was ich bis dato in Spanien gesehen habe. Was nach Malaga und Malle nicht schwer ist. Der Strand war aber auch so abgelegen, dass er keine Klos oder ähnliches bieten konnte, was mir jedoch relativ egal war, da ich Darmfestivalerprobt bin und für alles andere war das größte Pissoir Südeuropas da. Trotz der relativen Nähe zur Zivilisation sah es aus, als würde man hinter der nächsten Sanddüne Bear Grylls mit angepisstem Shirt um den Kopf beobachten können, wie er sich mit einer Schlangenhaut einen Einlauf verpasst um dem Wasserverlust vorzubeugen. Die richtige Hitze hatte es jedenfalls. Später bestiegen wir mit 50 Mitstudenten noch ein paar Hügel die eher Berge waren und gerne mal 25 m steil auf brandende Gischt trafen. Ich mit H&M Schuhen Sabbl mit 5 Euro Discosandalen. Zwischen den Ausläufern der Küste verbargen sich noch abgelegenere Strände als unserer auf denen sich vorzugsweise Adam und Evas tummelten die eher unerfreut über das Erscheinen einer 50 Mann starken, fotoschießenden Tourigruppe waren. Zumindest verschwanden die meisten ziemlich schnell im Meer um dort ihrer Nacktheit weiter zu fröhnen. Verschwitzt und vollgesalzt trat ich ausversehen ein paar Wassermelonenschößlinge (wie mir zumindest gesagt wurde) kaputt und sammelte einen Kaktussteckling ein, der mittlerweile bei uns auf dem Balkon vergammelt oder wächst.
Das waren unsere letzten freien Tage in Granada. Danach ging die Uni und der Stress los. Viel herumgerenne und sich mit spanisch zutexten lassen. Was verstehen, dann wieder was nicht verstehen, nachfragen, in falsche Kurse laufen (ein A1 Spanischkurs. Perfekt! Dachten wir. Leider läuft das hier etwas anders und A1 heißt soviel wie Spanischunterricht wie es bei uns Deutschunterricht ist.) Also nur spanisch verstehen bzw. nicht verstehen. Nach neuerlichem Anfangsstress besitze ich einen Erasmusausweis mit hässlichem Passbild und die Unterrichtsquintessenz ist nun: Englisch B1, Übersetzung Spanisch – Deutsch (wir Schlingel), Cultura de la lengua espanol (spanische Geschichte von 1936 bis heute. Interessant, aber mit einem Dozenten der sich vorm Unterricht die Backen mit ner Wolldecke ausstopft und nichtmal die Spanier verstehen ihn) und Konsumsoziologie auf spanisch. Hätte schlechter laufen können.
Soviel zur Uni.
Anfang Oktober kam mich dann spontan Basti aka Exmitbewohner aka Deine Mudda aus Berlin für eine Woche besuchen. Was perfekt passte, da wir am Wochenende unsere WG Einweihungsfeier hatten, die leider schon zu lange her ist als dass ich eine minutiöse Rekonstruktion geben kann. Es war aber lustig. Glaub ich. Am Montag hatte ich dann Geburtstag, der ganz gemütlich mit Sekt und Maggifertigpaketen aus der Heimat (Lieblingseltern :-* ) gefeiert wurde. Unter der Woche hatten wir dann Uni und nachmittags war ich dann mit Basti unter anderem auf der Alhambra, Kaffee trinken, durch Granadas Straßen schlendern, zusammen shoppen, Wasserpfeife rauchen, im Albaycin spazieren und am letzten Abend zusammen essen. Leider wollte er meinen Heiratsantrag nicht annehmen. Wir sind aber immer noch gute Freunde. Nach seiner Abreise ging es dann mit der Uni weiter: Jede Woche 2 Essays auf englisch und spanisch schreiben (Danke Google Translator), sowie spanische Verpackungsbeilagen, Bastelanleitungen und Kaffeevollautomatengebrauchsanleitungen übersetzen (Danke Google Translator #2).
Dann war auch schon Ende Oktober und damit Halloweenzeit. Für 3 Euro erfüllte ich mir meinen Kindheitstraum und ging mit Sabbl als Fee. 3 Tage Verkleidungswochenende lagen vor uns. Samstag verlor ich den Zauberstab, Sonntag verschenkte ich meine Feenfühler(?) und meine Flügel sind nun irgendwie auch entflogen. Egal. Die schönen Erinnerungen und Fotos bleiben.
Am nächsten Wochenende stand schließlich das bereits erwähnte Meeting mit Herrn Waack aka Ryan Davis an. Nach 5 Stunden Busfahrt (für 33 Euro hin und zurück, liebe DB) kamen wir in Spaniens Hauptstadt an und fanden tatsächlich auf Anhieb Bastis Hotel, wenn man davon absieht, dass wir erst im Hotel gegenüber im obersten Stock standen (die sahen aber auch fast gleich aus). Da wir uns vorher bei Lidl mit Oliven, Baguette und Martini eingedeckt hatten konnten wir gemütlich essen, trinken und über die Liebe und das Leben philosophieren, bevor dann ein paar spanische Peppnasen zum Club fuhren. Freier Eintritt, VIP, Backstage, frei trinken und zusammen labern und Spaß haben um gegen 3 einen Schuss Ryan Davis in die Venen und Magengruben gedrückt zu bekommen. Wenn das Leben nur immer so wär.
Am nächsten Tag flog Basti weiter nach Venedig und Sabbl und ich besichtigten die königliche Stadt für weitere 2 Tage bevor es wieder zurück in unsere temporäre Heimat ging.
Das nächste Highlight war Sabbl’s Geburtstag bei dem es leckeren selbstgemachten Kartoffelsalat und Glühwein gab und einen lustigen Abend im Mae West, was ein Pendant zum Fun Parc ist aber mit Gehirn aus und Spaß an geht alles!
Letztes Wochenende wurde ein Versuch gestartet die heißen Quellen von Granada zu suchen, die als solcher Supertopsecretgeheimtipp gelten, dass sie selbst nicht genau wissen ob sie existieren. Aber ich kann nur bestätigen: Kein Plan. Nachdem wir Freitagabends mit dem Mietwagen von Chris in einen Vorort von Granada gefahren waren wo sie vermutet wurden und eine Oma, zwei Tankwarte und eine Truckernutte nach dem Weg gefragt hatten fanden wir uns auf einem Feldweg wieder der durch Granadas Olivenhaine führte. Nachdem Francisco selbstbewusst verlauten ließ, dass wir jetzt links fahren müssen, weil er schon einmal da gewesen war, tauschten wir den Feldweg mit offenem Acker und bretterten nun durch die Dunkelheit vorbei an Olivenbäumen und Sträuchern, sowie tennisballgroßen Steinen, die unsere Karosserie umschmeichelten. Nach etwa 15 Minuten kamen wir schließlich wieder an einem Feldweg an, der zum Abhang wurde, den man eher als Schlucht bezeichnen konnte. Da wir genug Episoden Notruf gesehen hatten, um das Ende des Trips absehen zu können, traten wir den Rückweg an, um uns nach weiteren 15 Minuten bewusst zu werden, dass Olivenbäume und Sträucher alle ziemlich gleich aussehen und keine besondere Prägnanz aufweisen um den Weg zurück zu finden. Aus 15 Minuten Ackergepladder wurden 60 und die Stimmung gedrückter, bis unsere französische Begleiterin eine kompasstische Eingebung bekam und „izquierda!“ rief. Tada! Schon waren wir zurück auf dem alten Feldweg und voll Genugtuung das erfolgreiche Ende des Trips betreffend auf dem Rückweg nach Granada.
Danach begann der Unistress von vorne, der aber nun erstmal ein vorzeitiges Ende hat, da wir die ganzen letzten und besonders diese Woche fleißig waren und uns das Wochenende mehr als verdient haben. Jetzt sitze ich hier mit Wolldecke im Wohnzimmer, da unsere Wohnung es schafft drinnen kalter zu sein als es draußen ist und in meinem Zimmer der Putz runterkommt, weil unsere Nachbarin von oben nen Wasserschaden hat. Welch herrliches Leben. Zumindest haben wir Gasreserven sodass wir erstmal nicht mit 12 Grad kaltem Wasser duschen müssen. Heute Abend geht’s auf ne WG Party und morgen gönne ich mir eventuell Blasen und Schneeblindheit auf einer Wanderung durch die Sierra Nevada.
Alles wird perfekt.
P.S.Die Fotos sind unsortiert und ich wollte niemanden mit zuviel erschlagen. Beim nächsten mal kommen also mehr (unsortierte) hinzu.